Absolute Arythmie: Worin liegt die Ursache für die regelmäßigen Attacken alle 14 Tage

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von Manfred Dreusicke am 16.01.2011 um 19:40 Uhr an: Prof. Dr. Haverkamp und Team

Herzschlag 50 bis 60 pro min. Einnahme zwei mal 50 mg Metoprolol wegen Bluthochdruck (unter 170 zu 90) und Herzrhythmusstörungen. Dazu 50 mg ASS. Attacken beginnen fast immer nachts mit starkem Wasserverlust, mehr als 1 Liter. Blutdruck dann 90 zu 60, Herzschläge bis 5 je Sekunde und Pausen, im Mittel 60 bis 90. Erholung am Folgetag. Danach wieder für 14 Tage Ruhe mit wenig Herzstolpern und keiner Beeinträchtigung des Wohlbefindens. Blutdruck dann normal. Nierenwerte (Krea, HS) sind nach der Attacke mit hohem Wasserverlust im oberen Normbereich. Nach dem Wasserverlust sind alle Werte mit Konzentrationsangaben (klienische Chemie) im oberen Normbereich, Enzyme bleiben normal-mittig. Urin-Teststreifen unauffällig.
Alter 74 Jahre, schlank 66 Kg. Jogging seit knapp zwei Jahren wegen der Attacken aufgegeben.

Was regelt die Attacken auf einen Rhythmus von 14 Tagen bis 3 Wochen? Könnten gestörte Nierenfunktionen Ursache für meine Herz-Rhythmusstörungen sein? Kalium- und Magnesium-Substitution zeigt keine erkennbare Wirkung. Beide Werte im Serum normal.
Handelt es sich um eine altersbedingte Verschleißerscheinung, die ich hinnehmen muss?
Ist der Wasserverlust eine Art Selbst-Dialyse der Nieren?

Mit Dank
Manfred Dreusicke
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Antworten

regelmäßige Attacken alle 14 Tage

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Das Auftreten von Herzrhythmusstörungen kann durch zu niedrige Kalium- und/oder Magnesium-Konzentrationen verursacht werden. Da Ihre Werte aber im Normalbereich liegen, und eine Behandlung mit entsprechenden Elektrolytpräparaten keine Besserung zeigte, scheint dies bei Ihnen kein wesentlicher Faktor für das Auftreten der Herzrhythmusstörungen zu sein.
Warum die Episoden von Herzrhythmusstörungen bei Ihnen in einem Abstand von 14-21 Tagen auftreten lässt sich nicht sagen. Häufig zeigen Herzrhythmusstörungen über einen gewissen Zeitraum ein spezielles Muster, das sich dann aber auch wieder ändern kann, und dann gar kein Muster mehr erkennbar ist.
Aus Ihren Angaben können wir leider nicht genau entnehmen, welche Form von Herzrhythmusstörungen bei Ihnen vorliegt. Ist so eine Attacke bereits mit einem EKG oder Langzeit-EKG aufgezeichnet worden? Handelt es sich um Vorhofflimmern? Dies ist die häufigste Herzrhythmusstörung beim Menschen. Einer der wesentlichen Faktoren, der zum Auftreten von Vorhofflimmern führt ist der Bluthochdruck. Zentral bei der Behandlung des Vorhofflimmerns ist daher die optimale Einstellung des Blutdruckes. Es sollten Blutdruckwerte unter 140/90, besser unter 130/85 mmHg angestrebt werden. Erst wenn der Blutdruck optimal eingestellt ist, lässt sich die Häufigkeit des Vorhofflimmerns reduzieren. Hierfür könnten z.B. auch spezifische Herzrhythmus-stabilisierende Medikamente oder eine Katheterablation eingesetzt werden. Welche Therapie für Sie die Beste ist, sollten Sie einmal mit einem Kardiologen besprechen.
Der starke Wasserverlust im Zusammenhang mit den Herzrhythmusstörungen ist dadurch zu erklären, dass es durch das Auftreten der Rhythmusstörungen zur Freisetzung eines Hormones aus dem Herzvorhof (das sogenannte atriale natriuretische Peptid (ANP)) kommt. Dieses führt zu einer verstärkten Ausscheidung von Natrium und somit von Wasser. Dieser Mechanismus schützt den Körper normalerweise davor, zu viel Wasser einzulagern. Über Druckrezeptoren wird im Vorhof eine Zunahme des Flüssigkeits- bzw. Blutvolumens registriert. Daraufhin wird das ANP ausgeschüttet, um dem entgegen zu wirken. Bei Herzrhythmusstörungen kommt es auch zu einer Druckerhöhung im Vorhof, und somit zu einer gesteigerten Ausschüttung von ANP.
Dies ist übrigens der gleiche Mechanismus, der dazu führt, dass man nach dem Baden häufig Wasser lassen muss: durch den Wasserdruck wird das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen gedrückt und dort eine Erhöhung des Blutvolumens registriert.

Ihr Prof. Dr. Haverkamp und Team,
Charité- Universitätsmedizin Berlin

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