Brady-Tachykardie-Syndrom (HF bis 30)

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von traurig 102traurig 102 am 17.02.2012 um 17:12 Uhr an: Prof. Dr. Haverkamp und Team

Sehr geehrter Herr Dr. Haverkamp,

Vielleicht bin ich kein Notfall- aber ich fühle mich so. Ich habe meine Fragen bereits hier schon an der falschen Stelle gestellt und man riet mir mich direkt an Sie zu wenden. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen? Daher kopiere ich den Text hier nochmals hinein.

seit ca 5 Jahren habe ich Bradyarrhythmien bis zu 30 HF und Tachykardien im Wechsel bis zu 165 HF, die allerdings durch Hinlegen, Wasser trinken steuerbar sind und innerhalb kürzester Zeit sich sogar in Bradys umwandeln können. Vor 5 Jahren wurde beim Kardiologen lediglich ein Echo, ein EKG und ein Langzeit-EKG gemacht. Seine Diagnose: Sick-Sinus-Syndrom, womit ich aber steinalt werden könnte. Da die Beschwerden nicht all zu lange anhielten war die Sache für mich erledigt. Doch ich merkte ab und zu doch immerwieder mal Schwindel, schwarz vor Augen, Tachykardien mit Angina Pektoris. Den Schwindel ordnete ich jetzt nicht den Bradykardien zu, weil ich eher zum Verdrängen neige. Nur die Tachys sind schon heftigst, wenn man sich auf Arbeit befindet und diese nicht beenden kann, weil man einfach immer weiter arbeiten muss. Seit September 2011 hat es mich nun schwer erwischt. Ich bin regelrecht mehrmals weggetreten-ich weiß nicht, ob es nur extreme Müdigkeit war... Sogar auf Arbeit hatte ich nur Herzfrequenzen um die 40. Krankgeschrieben, habe ich ca 3 Wochen fast ausschließlich nur noch geschlafen-nicht einmal das Essen konnte ich zuende führen. Ich schlief und schlief und nahm dabei noch über 10 Kilo ab, das mich noch mehr schwächte. 2x bin ich aufgewacht mit starker Angina Pectoris mit Bauchschmerzen, Übelkeit. Ich wußte, dass ich in Gefahr war und habe einfach nur abgewartet. Im Grunde hätte ich Hilfe gebraucht. Es ging mir dann irgendwann besser und ich versuchte den Kreislauf wieder in den Griff zu bekommen. Ich brauchte nur aufstehen, war die Frequenz schon auf bis zu 165 hoch, die dann nach dem Hinlegen wieder in die Bradykardie fiel. Dieses Hin und Herr machte mich echt fertig. Beim Kardiologen habe ich erst in 3 Monaten einen Termin bekommen trotz vorgetragener Beschwerden. Wie fühlte ich mich in Stich gelassen.....Durch Beziehungen ließ ich mir ein Kardio-MRT machen (ganz in Ihrer Nähe)-alles OK-außer ein grenzwertig vergrößerter Vorhof. Plötzlich schlugen die Bradykardien in wirklich schreckliche Tachykardien um mit starkem Tremor-durchgehend-kaum steuerbar. Ich fing an Diazepam oder Betablocker zu nehmen, um irgendwie zurecht zu kommen. Endlich war der Kardiotermin da und ich saß mit einer Tachykardie und Tremor vor dem Arzt. Auf dem Ü-Schein stand dann auch noch Bradyarrhythmien. In diesem Zustand war ich kaum in der Lage meine Beschwerden zu äußern und die Bradys wurden mir zunächst nicht abgenommen. Ich hatte aber gott sei Dank (auch nur durch Beziehungen) ein 24 h EKG machen lassen, wo die Bradyarrhythmien bis 30 HF zu sehen waren-am Tage um die 38 HF (das niedrigste). Der Rhytmologe schrieb einen Befund an meinen HA, der zu 80% aus dem Befund des Vorkardiologen (arbeitet dort nicht mehr) bestand. Also Sinusknotensyndrom. Geholfen wurde mir garnicht. Er schlug mir nach meinem Protest einen Herzschrittmacher vor, meinte aber, dass ich den eigentlich garnicht brauchte-nur bei Beschwerden. Nuuuu, ich bin ja deswegen zum Arzt gegangen. Ich bekam einen weiteren Termin bei einer OÄ,die für Herzschrittmacher zuständig war, der wieder lange dauerte um mir anzuhören, was ich doch für ein wunderbar gesundes Herz habe mit insgesamt 50 HF-Klar, wenn man zwischenzeitlich Tachys hat, dass sich der mittlere Wert erhöht auf dem Gesamt-EKG .Ich durfte mir dann im PC das EKG teilweise anschauen (arbeite auch in der Medizin). Dann wurde mir die EPU vorgeschlagen, weil in den Tachys plötzlich kleine Kringelchen gesehen wurden. Ich musste dann wochenlang Tachy-EKG s sammeln (habe ein eigenes EKG-Gerät) und ich ließ mir die EPU machen, obwohl ich richtig angst davor hatte. Aber ich war völlig am Ende gewesen. 3 Schläuche wurden eingeführt. Sie hat überhaupt garnichts auslösen können-nochnicht einmal eine SVT. Nur eine Tachy von 120 wurde ausgelöst, die echt harmlos war-nicht vergleichbar mit den grauenhaften Tachys, die ich sonst hatte. Keine phatologische Leitungsbahn gefunden, kein Vorhofflimmern ausgelöst worden, keine WPW-Syndrom-nichts und vor allem ist der Sinusknoten völlig intakt. Nach Beendigung teilte mir die OÄ mit, dass ich ein AV-Block 2. bis. 3 Grades hätte und dass die P-Kurven teilweise auf dem T zu finden sind und eine extrem hohe Vagotonie. Aber das sei nicht so schlimm, weil es viele haben. Da ich ein wenig aufgeregt war bin ich mir nun nicht richtig sicher, ob sie nicht SA-Block gesagt hatte. Leider wurde im Entlassungsbericht von beidem (Blöcken und Vagotonie) nichts erwähnt. An die OÄ komme ich nicht mehr heran. Ich habe erst einen Termin in 3 Monaten zum Ergo erhalten. Für die OÄ ist die Sache nun erledigt. Aber ich bleibe mit meinen Beschwerden zurück. Vielleicht können Sie mir helfen? Landen P-Kurven beim AV-Block auf den T-Kurven? Sie möchte beim Ergo zuschauen. Was kann man da sehen? wandernde P-Kurven beim AV-Block und evtl. die Vagotonie oder eher irgendwas beim SA-Block. Für mich ist es wichtig zu wissen, da bei Tachys Betablocker verordnet wurden nach Bedarf (nicht von der OÄ). Das durfte man ja dann beim AV-Block nicht nehmen. Nun komme ich nicht weiter und muss wieder 3 Monate warten und solange geht es mir richtig schlecht. Ich bin stark Leistungsgemindert und kann nicht arbeiten. Ich habe überlegt in Berlin eine Zweitmeinung einholen zu lassen. Aber kann man AV-Blöcke nur bei einer EPU sehen? Warum wird bei mir kein Echo gemacht? Besteht hier keine Indikation? Hier müßte zumindest mal nach dem vergrößerten Vorhog geguckt werden, oder? In Moment habe ich Herzfrequenzen zwischen 35 und 50-immer große Sprünge-hin und her und das ist sehr unangenehm zu merken, zudem retrosternaler Druck. Auf den EKG s sehe ich teilweise erhöhte ST-Strecken. Ich bin stark leistungsgemindert und garkeine Geduld mehr. Ich kann es nicht mehr ertragen. Inzwischen habe ich durch das viele Schlafen 20 Kilo abgenommen. Das ist gut für mich, da ich eh übergewichtig bin. Aber jetzt schwächt mich das noch mehr. Ich möchte am Montag wieder arbeiten gehen und weiß jetzt schon, dass es mir garnicht bekommen wird.

PS: Die OÄ sagte mir noch direkt am OP-Tisch, dass ich kein Sinusknotensyndrom habe, da der Sinusknoten intakt sei. Ich habe also jahrelang mit der falschen Diagnose gelebt und weiß nun überhaupt nicht mehr was los ist.

Vielen Dank und Entschuldigung für diesen Roman hier

Antworten

Brady-Tachykardie-Syndrom

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gibts denn für Zweitpostings keine Antwort mehr?

Brady-Tachykardie-Syndrom

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Vielen Dank für Ihre Frage.

Wichtig ist es eine Verbindung zu ziehen zwischen den bei Ihnen erhobenen Befunden, und den Beschwerden die Sie verspüren. Die Frage, ob die Rhythmusstörungen die Ursache für Ihre Probleme sind soll damit geklärt werden. Dies kann zum Beispiel gelingen, indem Sie ein Langzeit EKG durchführen lassen und genau aufschreiben, wann sie Beschwerden haben (am Besten ohne dass Sie selbst zusätzlich die Herzfrequenz messen oder Ihr persönliches EKG Gerät verwenden).
Sollten bradykarde Phasen als eheste Ursache für Ihre Müdigkeit und Antriebslosigkeit gefunden werden, sollten Sie zunächst den Beta-Blocker ausschleichen (falls Sie diesen regelmäßig einnehmen). Sollte dies keine Besserung bringen, ist die Implantation eines Herzschrittmachers erneut zu diskutieren. Insbesondere falls sie auch Schwindel, oder Episoden mit plötzlicher Bewußtlosigkeit (Synkopen) erleben.
Die Ergometrie, die bei Ihnen durchgeführt werden soll, dient vermutlich dazu das Frequenzverhalten unter Belastung zu untersuchen, bzw. zu schauen, ob sich unter Belastung höhergradige Herzrhythmusstörungen zeigen. Diese Untersuchung ist sicher sinnvoll, vor allem, da sie auch retrosternalen Druck angeben. In diesem Zusammenhang kann es auch sinnvoll sein eine echokardiographische Untersuchung durchzuführen.
Dass bei Ihnen intermittierend ein SA/AV-Block bzw. erhöhter Vagotonus festgestellt wurde, ist aus der Ferne leider nicht zu kommentieren. Sie sollten die Ärztin, die die Untersuchung durchgeführt hat, hierzu noch einmal befragen.
Was die Müdigkeit und den Gewichtsverlust betrifft, so empfehlen wir, dass Sie sich zusätzlich bei Ihrem Hausarzt/Internisten vorstellen. Leiden Sie auch unter schlechter Stimmungslage? Die von Ihnen berichteten Beschwerden können auch im Rahmen von Depressionen auftreten, falls dem so ist, kann Ihnen auch sicher Ihr Hausarzt weiterhelfen und sie gegebenenfalls an einen Spezialisten überweisen.

Ihr Prof. Dr. Haverkamp und Team
Charité - Universitätsklinikum Berlin

ist AV-Block 2./3. Grades nur durch EPU diagnostizierbar?

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Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Haverkamp und Team,

Ich bedanke mich für Ihre ausführliche Antwort.
Bei mir ist es oft so, dass Bradykardien und Tachykardien sich über einen langen Zeitraum ablösen. Selten habe ich einen ständigen Wechsel am Tage.

zu den Bradykardien:

Diese hielten dieses Mal ca 2 Monate durchgehend an (auch bei Stress). Dann kamen Tachys hinzu, die ausschließlich im Stehen ausgelöst wurden. Hier denke ich, dass es durch das lange Schlafen und Liegen zu Kreislaufproblemen kam. Ich hätte mich zu Ausdauersport überwinden müssen-fühlte mich aber zu schwach.
Sie rieten mir zu einem Langzeit-EKG und dazugehörigen Notizen über Beschwerden. Es ist zuweilen so, dass am Tage nach jedem 2.-5. Herzschlag eine spürbare niedrige HF auftritt mit retrosternalem Druck, oft Schwindel, manchmal schwarz vor Augen. Das Herz macht, was es will. Daher wäre ich wohl nur noch beim Notieren. Mir ist aufgefallen, dass ich besonders nachts kaum Probleme habe. Der Herzschlag ist bis auf einzelne Bradys rhythmisch. Nur die P-Kurven sind eben streckenweise völlig woanders zu finden-meist auf dem oder nach dem T oder im QRS oder auch garnicht. Die HF ist für nachts jetzt in Moment völlig normal. Das letzte 24h EKG zeigte aber auch Frequenzen unter 30. Nach dem Aufwachen geht es mir für kurze Zeit gut. Ich habe dann Morgenhektik und bevor ich zur Arbeit gehe trinke ich eine Tasse Kaffee. Erst ab dann ist von mir die Bradyarrythmie zu spüren. Ich lege das EKG an und die Frequenz ist wieder völlig unregelmäßig und niedrig (hin und her). Auf Arbeit komme ich nur einigermaßen klar, wenn ich aktiv mich bewege und somit die Frequenz die Chance hat zu steigen. Setze ich mich hin, muss ich aufpassen, dass mir nicht schwarz vor Augen wird. Das kompensiere ich, indem ich sofort aufstehe.

zu den Tachykardien:

Nachdem die "Bradykardiephase" aufhört schlägt dieses genau ins Gegenteil um-nur noch Tachykardien-wohl laut Kardiologin SVT. Diese gehen mit starkem retrosternalem Druck einher und Tremor, der sehr auffällt. Auch nachts sind die Frequenzen höher. Die Tachys jedoch sind immer rhythmisch-keine Pausen.
Hier nehme ich ab und zu Betablocker-die ganz gut wirken. Diese wurden mir aber verboten, da man jahrelang von SSS ausging und somit kontraindiziert war. Ausschleichen muss ich diese nicht, da ich diese nur ab und zu in letzter Not genommen habe.
Das Diazepam hingegen nahm ich öfter-nicht wegen Depressionen, sondern, weil diese mir den retrosternalen Druck nehmen.
Ich denke nicht, dass ich zu den depressiven Menschen gehöre. Ich habe auch keinen sonderlichen Kummer. Ich neige auch nicht dazu ohne Grund zu weinen. Aber ich bin z.Z. ein wenig verzweifelt nicht zu funktionieren. Mich ängstigt die "Sache" an sich nicht einmal. Sie ärgert mich. Auch die SVES werden ignoriert. Ich steigere mich niemals in Krankheiten hinein. Ich denke es liegt an meinen guten medizinischen Kenntnissen und die Einbildung unverwundbar zu sein.
Die OÄ, die die EPU durchgeführt hat, habe ich inzwischen per Mail erreichen können. Es liegen einige Wochen dazwischen und sie führt dieses so oft durch. Ich denke, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte, was sie am OP-Tisch zu mir gesagt hat. Ich bin mir fast sicher, dass sie AV-Block 2.-3- Grades erwähnt hatte, da auch die anwesende Schwester erwähnte, dass sie jetzt aber eine schone Rhytmusstörung sieht. Was soll sie sonst gemeint haben?

Nun möchte mein HA, dass ich mich erneut untersuchen lasse. Denn er sieht wie es mir geht und seine EKG s zeigen oft Bradyarrythmien an.
Ich habe mir erneut einen Termin für Ergo und Echo geben lassen und festgestellt, dass ich diesen Termin zufällig bei Ihnen in Berlin/Charité (Ambulanz) vereinbart habe und das schon bald. Ich hoffe, dass sich der Weg lohnt und mir Klarheit verschafft werden kann. Ich habe ja nur Gutes von Ihnen gehört.

Es gibt aber bei mir auch ganz lange Phasen (Monate) an denen ich überhaupt keine Beschwerden habe und ich mich pudelwohl fühle.

Mich würde jetzt nur noch interessieren, ob wirklich ein AV-Block vorliegt und vor allem welcher und ob ein Herzschrittmacher notwendig ist. Ist dies nur durch eine EPU herausfindbar? Wenn vorhanden, wird dieser doch sicher nicht immer da sein?
Mein Termin bei Ihnen ist schon in 4 Wochen. Bis dahin kann sich alles wieder verändert haben (Brady, Tachy oder wieder Normalität) und ich habe einfach immer Bange nicht ernst genommen zu werden, weil in dem Moment nichts nachweisbar sein könnte.
Die OÄ war sich anhand meiner EKG-Sammlung so sicher, dass eine pathologische Leitungsbahn vorliegt-hat aber dennoch nichts finden können. Sind die EPU zu 100% sicher diagnostizierbar?

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Mühe

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