Isosorbidmononitrat

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von ISMN am 17.11.2011 um 11:20 Uhr an: Prof. Dr. Haverkamp und Team

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit "ISMN 60mg Retard" gemacht: Rechtzeitig vor stärkeren Belastungen (z. B. morgens vor einer Reise mit schwerem Gepäck oder sportlichen Betätigungen) eingenommen, verringert das Präparat die pectanginösen Beschwerden deutlich, und dieser äußerst positive, reproduzierbare Effekt ist - dank einer Halbwertzeit von über 6 Stunden - praktisch den ganzen Tag über spürbar.

Meine Fragen:
1.) Wie alle Nitrate, besitzt leider auch ISMN eine ausgeprägte Nitrattoleranz, weswegen ich das Präparat nur im Bedarfsfalle einnehme: Maximal an drei Tagen/Woche, und nicht zwei Tage hintereinander.
Gibt es Untersuchungen darüber, ob auch bei konservativer Anwendung nach einiger Zeit (Monate) mit einem stärkeren Nachlassen der Wirkung zu rechnen ist?

2.) Als Nebenwirkungen habe ich nach den ersten Einnahmen leichten, vorübergehenden Kopfschmerz sowie eine verminderte Reaktionsfähigkeit verspürt; beide UAW treten inzwischen nicht mehr auf. Gibt es Untersuchungen über Nebenwirkungen, die sich trotz vorsichtiger Einnahme (s. o.) erst nach einigen Monaten zeigen?

3.) Auf ISMN 60mg Retard bin ich aufgrund eigener Recherchen gekommen; keiner der mehr als ein Dutzend Ärzte, die bei vier Krankenhausaufenthalten (wg. PTCA) bzw. in einer internistisch-kardiologischen Praxis mit meinem Fall befasst waren, hat mich auf dieses mir höchst segensreich erscheinende Medikament hingewiesen. Liegt das nur daran, dass die sicher stets den letzten Stand der Wissenschaft im Auge habenden Spezialisten dieses Uralt-Medikament schlicht vergessen haben, oder sind andere Gründe denkbar?
(Verschrieben wurden mir die üblichen Präparate wie ACE-Hemmer und Betablocker, die mir aber nicht geholfen haben, sondern nur UAW hatten, und die ich daher abgesetzt habe. Ich bin normalgewichtiger Normotoniker in (sonst) gutem Allgemeinzustand; kein Diabetes. Außer ASS 100mg nehme ich derzeit kein Medikament regelmäßig, und fühle mich (relativ) wohl dabei.)

Antworten

Nitrate und KHK

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Vielen Dank für Ihre Fragen.
Zur Toleranzentwicklung von oral eingenommen Nitraten gibt es zahlreiche Untersuchungen. In der Tat ist es so, dass vor allem die orale Einnahme von Nitraten zu einer Toleranz führen können. Man kombiniert daher häufig bei der antianginösen Therapie orale Nitrate mit Molsidomin, die wie Nitrate wirken, aber keine Nitrate darstellen.

Zusätzliche Nebenwirkungen sind auch nach längerer Einnahme nicht beschrieben.

Nitrate stellen eine wichtige Säule in der Therapie der stabilen koronaren Herzerkrankung dar bei Patienten, in denen interventionelle (mittels PTCA und Stent-Implantation) oder aber chirurgische Therapieoptionen ausgeschöpft sind und die weiterhin über belastungsabhängige Beschwerden klagen.

Bei allen anderen Patienten könnten belastungsabhängige Beschwerden für einen Progress der koronaren Herzerkrankung sprechen und müssen jederzeit Ernst genommen werden.
ACE Hemmer, Beta Blocker, Statine und ASS haben in zahlreichen Studien zeigen können, dass sie lebensverlängernd wirken. Nitrate zählen hierzu nicht.

Zusammenfassend spielen die Nitrate in der Behandlung der therapieresistenten Angina Pectoris eine wichtige Säule dar. Sollten Sie unter vermehrten belastungsabhängigen Beschwerden leiden, würden wir Ihnen empfehlen sich erneut bei einem Kardiologen vorzustellen, um eine Progress Ihrer koronaren Herzerkrankung ausschliessen zu können.

Ihr Prof. Dr. Haverkamp und Team
Charité - Universitätsklinikum Berlin

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