Multaq - Vorhofflimmern

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von faberingrid am 14.01.2011 um 12:08 Uhr an: Prof. Dr. Haverkamp und Team

Ich habe die Studie von Multaq gelesen und bekam Angst vor dem Medikament.
Vor 2Jahren hatte ich einen Elektroschock und eine EPU bekommen, Ablation sollte gemacht werden, wurde dann aber von abgesehen, würde mit Medikamenten auch behandelt werden können. Nun habe ich wieder Vorhofflimmern und bekam Multaq zusätzlich zu meinen Medikamenten (Nif Ten25, Ramilich, Falithrom)
Muß ich mir Sorgen machen, wegen des Medikaments und wäre eine EPU mit Ablation besser?
Vielen Dank faberingrid

Antworten

Dronedaron und Vorhofflimmern

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Dronedaron ist ein neueres Medikament, das sich chemisch dem Amiodaron ähnelt. Amiodaron ist ein Medikament, das seit Jahrzehenten in der Medizin zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen unter anderem auch in der Behandlung des Vorhofflimmerns verwendet wird und mit dem gute Erfahrungen gemacht wurden. Das Amiodaron besitzt in seiner chemischen Grundstruktur Iod-Komponenten, die für einige der unerwünschten Nebenwirkungen (Iodablagerungen auf der Kornea, Über- und Unterfunktion der Schilddrüse) verantwortlich gemacht werden.
Das Dronedaron hingegen enthält keine Iod-Komponente, so dass die für Amiodaron typischen und mit Iod assoziierten Nebenwirkungen nicht zu erwarten sind.

Dronedaron wurde vor seiner Marktzulassung in mehreren großen Studien mit vielen Patienten getestet. In nur einer von diesen Studien an Patienten mit einer schweren Herzmuskelschwäche ergab sich in der mit Dronedaron behandelten Gruppe eine erhöhte Sterblichkeit. Ob dieser Effekt auf das Dronedaron zurückzuführen ist, oder aber auf andere Begleitumstände (z.B. das Absetzen anderer wichtiger Medikamente in der mit Dronedaron behandelten Gruppe) ist unter den Fachleuten umstritten. Außerdem wurde diese Studie an schwer herzkranken Patienten durchgeführt und ist damit nicht auf die Allgemeinheit übertragbar.
In einer aufgrund dieser Ergebnisse durchgeführten noch größeren Studie mit besser mit der Allgemeinheit vergleichbaren Patienten (Athena-Studie) zeigte sich dann im Gegenteil bei den mit Dronedaron behandelten Patienten eine niedrigere Herz-Kreislaufsterblichkeit. Das Dronedaron wird deshalb als das sicherste Rhythmusmedikament für nicht schwer herzkranke Patienten angesehen.

Dronedaron hat aber bekannte Nebenwirkungen, wie unter anderem gastrointestinale Beschwerden (Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, abdominale Schmerzen, Verdauungsprobleme), Müdigkeit und Schwächegefühl, Hautveränderungen (Rötung, Ausschlag, Juckreiz) und schließlich Bradykardien.

Sollten sie unter dem Dronedaron Nebenwirkungen zeigen, würden wir ihnen raten, das Medikament sofort abzusetzen.

Eine Pulmonalvenenisolation würden wir Ihnen vorschlagen, sollten Sie das Dronedaron nicht vertragen oder sollte es trotzdem zu Vorhofflimmern kommen, das Beschwerden verursacht.

Ihr Prof. Dr. Haverkamp und Team,
Charité- Universitätsmedizin Berlin

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