Tachykardien LSB VES und allerlei

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von Sibuna am 21.04.2011 um 14:45 Uhr an: Prof. Dr. Haverkamp und Team

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Haverkamp,

ich bin 25 Jahre alt und habe ein paar Fragen und würde mich sehr freuen, wenn Sie Zeit finden würden mit weiterzuhelfen.

Im Januar wurde ich wegen einer Bluthochdruckkrise (200/120) in Krankenhaus gebracht, dort war das EKG in Ordnung, die Blutauswertung ergab Kaliummangel. Am nächsten Tag ging ich zu meinem Hausarzt, der verschrieb mir Metoprolol 50mg.

Unter den Metroprolol hatte ich noch weitre Hochdruckkrisen, die ich mit NifeHexal "bekämpfte". Daraufhin war ich beim Nephrologen, Nierenultraschall war o.B., bei der ersten Urinuntersuchung waren Noradrenalin und Cortisol zu hoch, bei 2 weiteren Untersuchungen aber wieder in Normbereich. Der Bluthochdruck kommt also nicht von den Nieren.

Ich habe mich dann gleich im Januar bei einem Kardiologen vorgestellt um eventuelle Schädigungen des Herzens zu untersuchen. Der Ultraschall war ohne Befund, LA war bei 33mm.

Leider litt ich dann noch unter starkem Herzstolpern, ein paar stolperer war ich von früher schon gewohnt (Extrasystolen), aber das was ich jetzt hatte war etwas neues. Man dachte es käme evtl. vom Betablocker, daher bekam ich noch Lisinopril. Das habe ich aber auch nicht vertragen, also bekam ich Micardis.

Auf dem ersten Langzeit EKG waren rund 1300 SVES und 1200 VES, 2 Coulpets, 2 Salven.

Wegen den Extrasysolen stellte ich mich Anfang März dann erneut bei einam Kardiologen vor. Ruhe EKG mit einigen VES, Ultraschall o.B. (lediglich eine Insuffiziens der Trikuspidialklappe Klasse I), das Belastungs EKG mit einem max. Puls von 150, max. Blutdruck von 150/90 und bei 125 Watt ohne Befund. Ein erneutes Langzeit EKG ergab 2400 SVES und 2300 VES, 2 Salven. Dort bekam ich dann das Medikament Diltahexal.

Unter Diltahexal waren die Extrasystolen fast weg, aber leider erhöhte sich mein Puls. Ruhepuls lag bei ca. 80, sobald ich aufstand oder umherlief schnellte er auf über 140 hoch. Zudem wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert, da ich aus der Ruhe anfallartiges Herzrasen (160) mit Schweißausbrüchen, Schwindel etc. bekam. Das Diltahexal wurde dann wieder abgesetzt.

Ende März stellte ich mich bei einem dritten Kardiologen vor. Ruhe EKG o.B., Ultraschall: Insuffieziens der o.g. Klappe und ein Grenzwertig großer LA (40mm) und das gerade mal 2 Monate nach meinem Besuch beim ersten Kardiologen. Unter Belastung (150er Puls) trat dann bei 100 Watt eine supraventrikuläre Tachykardie auf unter der sich ein Linksschenkelblock bildete, der dann aber nach 5 Minuten "ausruhen" wieder verschwand. Der max. Blutdruck war bei 210/100.

Nun hat mich dieser LSB sehr verunsichert. Ich habe mal nachgeschaut und habe in einem Belastungs EKG von 2006 ebenfalls bei einem Puls von 160 eine Ausbildung eines kompletten Linksschenkelblocks, der dann nach 1 Minute wieder von selbst verschwand. In dem Bericht von damals stand drin, dass der Auslöser des LSB unbekannt sei, man solle den Blutdruck besser einstellen und fertig.

Von dem LSB der beim 3. Kardiologen auffiel, erfuhr ich nur weil ich den Bericht gelesen habe. Er sagte lediglich, dass mein Hrz unter Belastung in einem anderen "Takt" schlagen würde und dass er der Meinung sei, dass ich eine akzessorische Leitungsbahn hätte daher die SVT und der LSB herrühren würden. Er meldete mich im Kardio MRT an (erst Mitte Mai) und eine EPU soll ich wegen den störenden ES und der SVT im Juni machen.

Zur Zeit werde ich nurnoch mit Micardis behandelt, mit Bisoprolol wurden die ES und die anfallsartigen Herzraseanfälle nurnoch schlimmer. Zwischenzeitlich hatte ich Tage, an denen ich über Stunden einen falschen Rhythmus hatte. Das Herz schlägt z.B. 2 mal normal, 1 Aussetzer, danach spurtet es für 2-3 Schläge und es geht wieder von vorne los. Ich nehme zusätzlich Tromcardin Complex und ein hochdosiertes Magnesium. Zudem hat man nun noch einen Vitamin D und B Mangel festgestellt.

Nun zu meinen Hauptfragen: Sollte ich mich um den LSB sorgen? Wie kann es sein, dass ich vor 5 Jahren schon (also da war ich gerade mal 20) einen LSB unter Belastung habe und das wurde weder behandelt noch erwähnt?
Kann es ein dass ich wirklich so eine angeborene zusätzliche Leitungsbahn habe und deshalb bei Belastung der LSB auftritt? Ist es nicht schädlich Sport zu machen wenn man weiss, dass sich bei Belastung Tachykardien und LSB ausbilden? Habe ja schlißelich 5 Jahre davon nichts gewusst und habe trotzdem Sport gemacht. Den LSB spürte ich im EKG und früher beim Sport durch Herzstolpern, dass sich anfühlt als würde das Herz nurnoch eingeschränkt klopfen. Luftnot hatte ich bis jetzt noch nicht.

Was mich fast noch mehr stört als der LSB ist die Größe des Linken Vorhofs. 2006 war dieser bei 32mm. Die Untersuchung Mitte Januar ergab 33mm. Ende Februar/ Anfang März Kardiologe Nr. 2 betitelte: "LA in normal großem Zustand". Ende März/ Anfang April sagte Kardiologe Nr. 3: LA grenzwertig groß (40mm). Kann es denn sein, dass mein Vorhof innerhalb von Januar bis März über 7mm erweitert ist?
Ich habe ja schon Angst, dass ich vielleicht die Sypmtome einer DCM aufweise? Oder kann es sich um ein Irrtum handeln, denn 7mm in 2 Monaten wären schon schlimm :-(

Das Kardio-MRT ist Mitte Mai, die EPU soll Anfang Juni stattfinden. Meinen Sie ich sollte mich einer EPU unterziehen?

Die Extrasystolen spüre ich seit Auffüllen meines Vitamin B-Lochs weniger, es sind aber immernoch gleich viele, bei manchen wird mir schwindelig, zu einer Synkope kam es allerdings noch nicht.

Ich hoffe, Sie können mir trotz meiner Flut an Fragen weiterhelfen. Der Kardiologe hat mir, wie gesagt, nichteinmal was vom LSB etc. gesagt, was mich noch mehr beunruhigt.

Vielen lieben Dank im Voraus
Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage.

Freundliche Grüße

Antworten

Sehr geehrter Prof. Dr.

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Sehr geehrter Prof. Dr. Haverkamp,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

- Der Blutdruck ist allerdings schon gut eingestellt, bei durchschnittlich 120/75.

- Nieren und Hormone sind wie oben angegeben bereits durchleuchtet und ohne Befund.

- Das Kardio MRT ist, wie oben angegeben Mitte Mai

- Die EPU ist, wie oben angegeben, Anfang Juni

Bei dem ersten Kardiologe handelte es sich lediglich um die Feststellung bzw. den Ausschluß von Bluthochdruckabhängigen Herzveränderungen. Dieser Kardiologe hatte aber weder Belastungs EKG noch sonst etwas gemacht. Kardiologe 2 war eine spezielle Herzrhythmussprechstunde, Kardiologe 3 wurde hinzugezogen, da Kardiologe 1 keine weiteren Schritte anordnete. Sozusagen haben Kardio 1 und 2 nur festgestellt, dass das Herz wohl in Ordnung sei, daher auch keine Therapie anordneten. Da die Beschwerden allerding eher noch schlimmer wurden, wurde Kardiologe 3, der dann den LSB etc. entdeckte, hinzugezogen.

Hätte man eine Herzmuskelschädigung im Herzecho gesehen? Oder zumindest Ansatzweise?

Ausserdem habe ich gelesen, dass LSB auch bei gesunden vorkommen können. Stimmt das?

Vielen Dank im Voraus
Freundliche Grüße nach Berlin

Linksschenkelblock

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Bestimmte Herzmuskelschäden erkennt man in der Echokardiografie, andere nicht.

Schenkelblockierungen können unter bestimmten Voraussetzungen auch bei gesunden Menschen vorkommen.

Detailfragen, wie die von Ihnen zuletzt gestellten, lassen sich allerdings am besten persönlich mit dem behandelnden Arzt besprechen, da sie nicht pauschal zu beantworten sind. In der Medizin sind Einzelbefunde wie ein Linksschenkelblock oder eine bestimmte Anzahl Extrasystolen isoliert nicht sinnvoll zu bewerten, sondern es müssen alle Symptome und die dazu passenden apparativen Untersuchungen gemeinsam betrachtet werden, um einschätzen zu können, wie "schlimm" ein bestimmter Einzelbefund ist.

Unsere Empfehlung daher: zunächst die von ihrem Kardiologen empfohlenen Untersuchungen durchführen lassen und dann ein abschließendes Gespräch mit dem Kardiologen darüber führen.

Ihr Prof. Dr. Haverkamp und Team
Charité- Universitätsklinikum Berlin

Tachykardien und Linksschenkelblock

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Sie berichten von mehreren Befunden, die in der Vergangenheit erhoben wurden. Nicht alle Verknüpfungen und Schlussfolgerungen, die von Ihnen gezogen werden, sind medizinisch korrekt (z. B. die ist Vorhofgröße nicht Diagnosekriterium einer dilatativen Kardiomyopathie). Zusammenfassend lässt sich folgendes sagen:

Blutdruckwerte um 200/120 mmHg sind - zumal im Alter von 25 Jahren - ungewöhnlich und müssen gründlich abgeklärt werden (ggf. auch durch Untersuchungen der Niere und des Hormonsystems). Durch welche Untersuchungen diese Abklärung erfolgt, sollte vor Ort vom Facharzt entschieden werden. Wir empfehlen die Vorstellung in einer Spezialsprechstunde für Hochdruckkrankheiten.

Das Auftreten eines sogenannten Blockbildes im Belastungs-EKG deutet auf eine Herzerkrankung hin. Dieses EKG-Bild kann auch von einer akzessorischen Leitungsbahn imitiert werden. Bei einem jungen Patienten mit weitgehend normalem Echokardiografiebefund und Anfällen von Herzrasen wäre eine akzessorische Leitungsbahn als Grund der EKG-Veränderung nicht unwahrscheinlich. Ursache der Episoden von plötzlich auftretendem Herzrasen können auch andere Rhythmusstörungen sein. Dies kann durch eine elektrophysiologische Untersuchung geklärt werden. Falls eine akzessorische Leitungsbahn vorliegt, kann diese in gleicher Sitzung verödet und dauerhaft beseitigt werden.
Andererseits können hinter den genannten EKG-Veränderungen seltener auch Herzmuskelerkrankungen stecken. Hier ist eine MRT-Untersuchung des Herzens hilfreich.

Unsere Empfehlungen sind somit:

1. Vorstellung in einer Spezialsprechstunde für Hochdruckkrankheiten
2. Durchführung einer MRT-Untersuchung des Herzens
3. Durchführung einer elektrophysiologischen Untersuchung

p.s.: Es fällt auf, dass Sie sich innerhalb von 2 Monaten bei drei Kardiologen vorgestellt haben. Prinzipiell ist ein häufiger Arztwechsel unglücklich, da Befunde doppelt erhoben werden müssen und Diagnose/Behandlungskonzepte nicht zu Ende geführt werden. Wenn kein triftiger Grund vorliegt, raten wir dringend davon ab, den Arzt zu wechseln, bevor die Diagnostik vollständig abgeschlossen ist und ein Behandlungskonzept festgelegt wurde. Es ist natürlich jederzeit möglich (auch bei uns) eine Zweitmeinung einzuholen. Allerdings ist dies erst sinnvoll, nachdem ein Arzt eine definitive Diagnose gestellt und eine Therapie empfohlen hat.

Ihr Prof. Dr. Haverkamp und Team
Charité- Universitätsklinikum Berlin

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